Getreidefeuchte messen: Richtig prüfen vor Ernte, Trocknung und Lagerung
Der Feuchtegehalt von Getreide ist eine wichtige Größe bei Ernte, Trocknung und Lagerung. Zu feuchtes Erntegut kann während der Lagerung an Qualität verlieren, während unnötiges Nachtrocknen zusätzliche Energie und Kosten verursacht.
Mit einem Getreidefeuchtemesser lässt sich die Kornfeuchte direkt am Betrieb innerhalb kurzer Zeit kontrollieren. Entscheidend für ein aussagekräftiges Ergebnis ist jedoch nicht nur das Messgerät selbst. Ebenso wichtig sind eine repräsentative Probe, die richtige Einstellung des Geräts und mehrere Vergleichsmessungen.
Eine Feuchtemessung liefert damit eine wichtige Entscheidungsgrundlage für Drusch, Trocknung und Einlagerung.
- Warum ist die Getreidefeuchte so wichtig?
- Welche Getreidefeuchte ist für die Lagerung geeignet?
- Wann sollte die Getreidefeuchte gemessen werden?
- Die richtige Probe ist entscheidend
- Für welche Situationen eignet sich ein mobiler Getreidefeuchtemesser?
- Warum mehrere Messungen sinnvoll sind
- Getreidefeuchte gemessen – wie geht es weiter?
- Was kann das Messergebnis beeinflussen?
- Getreidefeuchte mobil prüfen: PFEUFFER HE 50
- Heu und Stroh direkt im Ballen messen
Warum ist die Getreidefeuchte so wichtig?
Der Wassergehalt beeinflusst, wie sich Getreide nach der Ernte behandeln und lagern lässt.
Eine Feuchtemessung hilft beispielsweise bei der Entscheidung:
- Ist der Bestand für den Drusch geeignet?
- Muss das geerntete Getreide noch getrocknet werden?
- Wie entwickelt sich die Partie während der Trocknung?
- Ist das Getreide für die geplante Lagerung ausreichend trocken?
- Gibt es innerhalb einer Partie Bereiche mit unterschiedlicher Feuchtigkeit?
Dabei gibt es nicht den einen Feuchtewert, der für jede Kultur und jede Lagersituation gleichermaßen gilt. Kulturart, Lagerdauer, Temperatur, Lagertechnik und die Anforderungen des Abnehmers müssen gemeinsam betrachtet werden.
Ein Feuchtemessgerät unterstützt deshalb die Beurteilung – ersetzt aber nicht die Betrachtung der gesamten Lagerbedingungen.
Welche Getreidefeuchte ist für die Lagerung geeignet?
Für die Lagerfähigkeit zählen neben der Kornfeuchte auch Temperatur, Lagerdauer und Zustand des Ernteguts. Als Orientierung für eine mehrmonatige Lagerung:
| Kultur | Orientierungswert |
|---|---|
| Weizen | höchstens 14 % |
| Roggen | höchstens 14 % |
| Gerste | höchstens 14 % |
| Hafer | höchstens 12 % |
Die Angaben beziehen sich auf die im DLG-Merkblatt 425, Abschnitt 2.3 beschriebene Lagerstabilität auch bei sommerlichen Temperaturen. Sie ersetzen keine Beurteilung der konkreten Lagerbedingungen. Reinigung, Kühlung und regelmäßige Kontrollen bleiben erforderlich.
Wichtig: Annahmebedingungen eines Abnehmers sind von Empfehlungen zur Lagerung zu unterscheiden. Klären Sie vor der Lieferung, welche Feuchtewerte für Ihre Ware vereinbart sind.
Wann sollte die Getreidefeuchte gemessen werden?
| Wann messen? | Wobei hilft es? |
|---|---|
| Vor bzw. während des Druschs | Feuchte des Ernteguts einschätzen |
| Bei der Anlieferung | unterschiedliche Partien beurteilen |
| Vor der Trocknung | Ausgangsfeuchte bestimmen |
| Während der Trocknung | Fortschritt kontrollieren |
| Nach der Trocknung | erreichten Feuchtegehalt überprüfen |
| Vor der Einlagerung | Lagerentscheidung unterstützen |
| Während der Lagerung | Veränderungen oder Auffälligkeiten erkennen |
Die richtige Probe ist entscheidend
Ein Getreidefeuchtemesser kann immer nur die Probe beurteilen, die tatsächlich gemessen wird.
Eine Getreidepartie ist jedoch nicht zwangsläufig überall gleich feucht. Unterschiede können beispielsweise entstehen durch:
- verschiedene Feldbereiche
- unterschiedliche Erntezeitpunkte
- ungleichmäßige Trocknung
- verschiedene Bereiche eines Anhängers oder Lagers
- Unterschiede bei Belüftung oder Temperatur
Eine Probe von der Oberfläche eines Anhängers muss deshalb nicht zwangsläufig die gesamte Ladung repräsentieren.
Mehrere Teilproben nehmen
Aussagekräftiger ist es, Proben aus unterschiedlichen Bereichen zu entnehmen und mehrere Messungen miteinander zu vergleichen. Bei größeren Partien können beispielsweise Teilproben aus verschiedenen Bereichen des Materialstroms, Anhängers oder Lagers sinnvoll sein.
Siepmanns Tipp: Eine repräsentative Probe ist häufig wichtiger als die letzte Nachkommastelle des Messwertes. Mehrere korrekt entnommene Proben geben ein wesentlich besseres Bild einer Partie als eine einzelne Messung.
Wie funktioniert ein Getreidefeuchtemesser?
Mobile Getreidefeuchtemesser arbeiten mit einer kleinen Probe des Ernteguts.
Je nach Gerät wird die Probe in eine Messzelle gefüllt, anschließend verdichtet oder in einer definierten Position gemessen. Das Gerät bestimmt anhand der elektrischen Eigenschaften der Probe den Feuchtegehalt.
Da unterschiedliche Getreidearten unterschiedliche Eigenschaften besitzen, arbeiten solche Geräte mit produktspezifischen Kalibrierungen.
Der grundsätzliche Ablauf ist meist ähnlich:
1. Repräsentative Probe entnehmen
Die Probe sollte möglichst typisch für die gesamte Partie sein.
2. Messgerät vorbereiten
Messzelle sauber halten und erforderliche Einstellungen prüfen.
3. Passende Kultur auswählen
Die hinterlegte Produktkurve muss zum untersuchten Erntegut passen.
4. Probe entsprechend der Geräteanleitung einfüllen
Menge und Verdichtung müssen dem vorgesehenen Messverfahren entsprechen.
5. Messung durchführen und Wert dokumentieren
6. Messung mit weiteren Teilproben wiederholen
Für welche Situationen eignet sich ein mobiler Getreidefeuchtemesser?
| Situation | Nutzen |
|---|---|
| Druschbeginn beurteilen | schnelle Feuchtekontrolle direkt während der Ernte |
| Getreide vom Feld prüfen | mobile Messung ohne stationäre Anlage |
| Trocknung überwachen | Entwicklung der Feuchte verfolgen |
| Einlagerung vorbereiten | Feuchte der Partie vor der Lagerung beurteilen |
| Unterschiedliche Partien vergleichen | mehrere Einzelmessungen durchführen |
| Kontrollen im laufenden Betrieb | Veränderungen frühzeitig erkennen |
Warum mehrere Messungen sinnvoll sind
Ein einzelner Messwert beschreibt zunächst nur die untersuchte Probe.
Bei einer größeren Getreidepartie können jedoch unterschiedliche Feuchtebereiche vorkommen. Deshalb ist es sinnvoll, mehrere Messungen aus unterschiedlichen Bereichen durchzuführen.
Weichen die Ergebnisse nur gering voneinander ab, spricht das für eine vergleichsweise gleichmäßige Partie.
Sind die Unterschiede dagegen deutlich, sollte geprüft werden, woher sie kommen. Mögliche Ursachen können beispielsweise eine ungleichmäßige Trocknung, unterschiedliche Erntebedingungen oder eine heterogene Ausgangspartie sein.
Getreidefeuchte gemessen – wie geht es weiter?
Prüfen Sie zunächst, ob die Messung unter den vorgesehenen Bedingungen durchgeführt wurde. Vergleichen Sie anschließend mehrere Teilproben und ordnen Sie die Ergebnisse dem geplanten Verwendungszweck zu.
| Messergebnis | Nächster Schritt |
|---|---|
| Ein Wert erscheint unplausibel | Produktprogramm, Befüllung und Messzelle prüfen; mit einer neuen Probe erneut messen. |
| Teilproben unterscheiden sich deutlich | Weitere Proben aus den betroffenen Bereichen untersuchen und die Ursache der Unterschiede klären. |
| Werte liegen nahe am vorgesehenen Zielwert | Ergebnis durch zusätzliche Messungen absichern. |
| Werte überschreiten den Zielwert | Trocknungsbedarf und weiteres Vorgehen vor der Einlagerung beziehungsweise Lieferung klären. |
Was kann das Messergebnis beeinflussen?
Nicht jede Abweichung bedeutet automatisch, dass das Messgerät ungenau arbeitet. Auch die Probe und die Durchführung spielen eine wichtige Rolle.
Nicht repräsentative Probe
Die untersuchten Körner bilden die Gesamtpartie nicht ausreichend ab.
Falsches Produktprogramm
Die hinterlegte Kalibrierung passt nicht zur untersuchten Kultur.
Falsche Probenmenge
Bei Geräten mit definierter Messzelle kann eine falsche Befüllung die Messbedingungen verändern.
Probe nicht korrekt verdichtet
Wenn das Messverfahren eine definierte Verdichtung vorsieht, sollte diese genau nach Geräteanleitung erfolgen.
Verschmutzte Messzelle
Kornreste, Staub oder andere Rückstände können einen reproduzierbaren Messablauf erschweren.
Stark unterschiedliche Teilpartien
Unterschiedliche Messwerte können auch tatsächlich unterschiedliche Feuchtegehalte innerhalb der Partie anzeigen.
Temperatur von Probe und Messgerät
Temperaturunterschiede zwischen Probe und Messgerät können das Ergebnis beeinflussen. Beachten Sie deshalb die Temperaturvorgaben und Hinweise zur Probenvorbereitung in der Geräteanleitung – besonders bei Proben aus der Trocknung.
Der PFEUFFER HE 50 verfügt über eine automatische Temperaturkorrektur. Auch damit müssen die vorgesehenen Messbedingungen eingehalten werden.
Messwerte regelmäßig vergleichen
Vergleichen Sie jährlich einige Proben mit den Ergebnissen eines geeichten Geräts. Wiederkehrende Abweichungen sollten Anlass sein, Messablauf und Gerät überprüfen zu lassen.
Getreidefeuchte mobil prüfen: PFEUFFER HE 50
Der PFEUFFER HE 50 ermöglicht eine schnelle Feuchtekontrolle während der Ernte, Trocknung und Lagerung. Für die Messung werden 11 ml der Probe in die Messzelle gefüllt. Anschließend wird die Zelle mithilfe der Ratsche bis zum Anschlag zusammengeschraubt und auf das Gerät gesetzt. Nach Auswahl des passenden Produktprogramms lässt sich die Messung starten.
Das Gerät berücksichtigt die Temperatur automatisch. Entscheidend ist, dass die hinterlegte Kalibrierung zum untersuchten Erntegut passt. Prüfen Sie daher vor dem Einsatz, ob Ihre Kultur mit dem vorhandenen Produktprogramm gemessen werden kann.
Heu und Stroh direkt im Ballen messen
Für gepresstes Heu und Stroh wird kein klassischer Getreidefeuchtemesser verwendet, sondern ein Messgerät mit Lanze. Die Sonde wird direkt in den Ballen eingeführt und misst dort Feuchtigkeit und Temperatur im Material.
Bei Siepmann bieten wir dafür den Agreto HFM II mit 50 cm nutzbarer Edelstahl-Lanze an. Die 50-cm-Ausführung ist als vielseitige Standardgröße für Rund-, Quader- und Großballen gedacht. Während die Sonde in den Ballen eingeführt wird, zeigt das Gerät fortlaufend Feuchtewerte an. Für eine aussagekräftigere Beurteilung sollten mehrere Stellen innerhalb eines Ballens beziehungsweise mehrere Ballen einer Partie gemessen werden.
Neben der Feuchtigkeit kann der HFM II auch die Temperatur im Ballen bestimmen. Das ist bei der Lagerkontrolle besonders hilfreich, weil Feuchte und Erwärmung gemeinsam Hinweise auf problematische Bereiche geben können. Für die Temperaturmessung sollte die Sonde entsprechend lange im Material verbleiben, bis sich der angezeigte Wert stabilisiert.
Zur Ausstattung gehören unter anderem eine 50 cm lange Edelstahl-Messlanze, LCD-Display, Hold- und Durchschnittsfunktion, Zählfunktion sowie eine automatische Displaybeleuchtung. Die Stromversorgung erfolgt über eine 9-V-Blockbatterie.
