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Geburtshilfe beim Rind: Kalbung beobachten und sicher unterstützen

Die Kalbung gut vorbereiten

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Wenn sich eine Kalbung ankündigt, sollte der Abkalbebereich sauber, trocken und so gestaltet sein, dass Kuh und Kalb möglichst wenig vermeidbaren Keimen ausgesetzt werden. Gleichzeitig muss ausreichend Platz vorhanden sein, um das Tier beobachten und bei Bedarf sicher unterstützen zu können.

Besonders sinnvoll ist es, die benötigte Ausrüstung nicht erst während einer schwierigen Geburt zusammenzusuchen.

Abkalbebereich reinigen und vorbereiten

Vor einer anstehenden Kalbung sollte der Abkalbebereich gründlich gereinigt und frisch eingestreut werden. Organische Verschmutzungen werden zunächst mechanisch beziehungsweise mit einem geeigneten Stallreiniger entfernt. Ist eine Flächendesinfektion vorgesehen, sollten anschließend ein für den Veterinärbereich geeignetes Desinfektionsmittel sowie dessen Anwendungshinweise, Konzentration und Einwirkzeit beachtet werden.

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Vorbereitem Dabei beachten
Sauberer Abkalbebereich Trocken, ausreichend eingestreut und möglichst hygienisch.
Geburts- bzw. Veterinärhandschuhe Für hygienisches Arbeiten am Tier.
Sauberes Wasser Zur Reinigung von Händen, Material und verschmutzten Bereichen.
Geeignetes Gleitmittel Ausreichend bereithalten.
Geburtsstricke oder Geburtsketten Sauber, intakt und für die Geburtshilfe vorgesehen.
Geburtshelfer Sauber, funktionsfähig und schnell erreichbar
Saubere Tücher Für die Versorgung des Kalbes.
Material für die Nabelversorgung Nach betrieblich bzw. tierärztlich festgelegtem Vorgehen.
Kolostrum-Ausstattung Saubere Flasche bzw. betriebliches Kolostrum-Management vorbereiten.
Tierarztkontakt Telefonnummer im Notfall ohne Verzögerung erreichbar.

Für die betriebliche Vorbereitung eignet sich außerdem ein kompaktes Kalbe-Bereitschaftsset, in dem typische Hilfsmittel wie Veterinärhandschuhe, Gleitmittel, Thermometer und Kälberflasche gebündelt bereitliegen.

Den Geburtsverlauf beobachten

Eine normale Kalbung verläuft in mehreren Phasen. Für die Entscheidung, ob Unterstützung erforderlich ist, ist weniger eine einzelne Zeitangabe entscheidend als die Frage: Ist ein kontinuierlicher Geburtsfortschritt erkennbar?

Die drei Phasen der Geburt

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Phase Typische Beobachtung
Vorbereitung und Öffnung Die Kuh kann unruhiger werden, sich absondern, häufiger aufstehen und abliegen. Der Geburtsweg bereitet sich auf die Geburt vor.
Austreibung des Kalbes Fruchtblase beziehungsweise Gliedmaßen werden sichtbar, die Kuh presst und das Kalb bewegt sich zunehmend durch den Geburtsweg
Nachgeburtsphase Nach der Geburt des Kalbes werden Eihäute bzw. Nachgeburt ausgestoßen.

Bei einem normalen Geburtsverlauf liegt das Kalb häufig in Vorderendlage mit gestreckten Vorderbeinen und darüberliegendem Kopf im Geburtsweg. Andere Lagen können besondere Anforderungen stellen und müssen fachkundig beurteilt werden.

Fortschritt ist wichtiger als die Stoppuhr

Gerade während der Austreibungsphase sollte regelmäßig beobachtet werden, ob die Geburt tatsächlich voranschreitet. Als praktische Orientierung nennen veterinärmedizinische Fachinformationen bei einer ausgewachsenen Kuh etwa 30 Minuten aktives Pressen ohne sichtbaren Fortschritt als Anlass, die Situation fachkundig zu überprüfen. Bei Färsen kann die Austreibungsphase länger dauern.

Das bedeutet nicht, dass nach einer bestimmten Minutenzahl automatisch ein Geburtshelfer angesetzt werden sollte. Vielmehr muss zunächst geklärt werden, warum die Geburt nicht fortschreitet.

Wann sollte eine Kalbung kontrolliert werden?

Eine Geburt sollte genauer beurteilt werden, wenn der normale Fortschritt ausbleibt oder Hinweise auf eine Geburtsstörung vorliegen. Vor einer Zugunterstützung müssen insbesondere Lage des Kalbes, Öffnung des Geburtsweges und Größenverhältnisse beurteilt werden.

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Beobachtung Einordnung
Kuh presst, sichtbare Teile des Kalbes treten nach und nach weiter hervor Weiter beobachten.
Fortschritt verlangsamt sich kurzfristig, Kuh und Kalb wirken unauffällig Engmaschig beobachten
Trotz deutlicher Wehentätigkeit über längere Zeit kein erkennbarer Fortschritt Ursache fachkundig überprüfen.
Nur ein Bein sichtbar, Kopf fehlt oder Lage erscheint ungewöhnlich Nicht einfach ziehen - Geburtslage überprüfen.
Kalb scheint für den Geburtsweg zu groß Keine forcierte Zughilfe.
Geburtsweg ist nicht ausreichend geöffnet Keine Zughilfe.
Kuh ist stark erschöpft, verletzt oder ihr Allgemeinzustand verschlechtert sich Tierarzt hinzuziehen.
Lage lässt sich nicht sicher beurteilen oder korrigieren Tierarzt hinzuziehen.

Geburtsstricke und Geburtsketten einsetzen

Geburtsstricke beziehungsweise Geburtsketten übertragen die Zugkraft auf die Gliedmaßen des Kalbes und gehören zur Standardausstattung für die Geburtshilfe.

Entscheidend ist, dass die Kraft kontrolliert und möglichst gleichmäßig verteilt wird. Falsch oder ungünstig angesetzte Hilfsmittel können zu Druckstellen, Verletzungen oder Knochen- und Gelenkschäden führen.

Die verwendeten Stricke oder Ketten sollten:

  • sauber und desinfizierbar sein
  • ausreichend stabil sein
  • keine beschädigten oder scharfkantigen Stellen besitzen
  • für die Geburtshilfe beim Rind vorgesehen sein

Wie Geburtsketten oder -stricke exakt angesetzt werden, sollte praktisch geschult werden. Professionelle Fortbildungen zur Rindergeburtshilfe kombinieren deshalb Theorie mit Übungen am Geburtssimulator.

Was macht ein mechanischer Geburtshelfer?

Ein mechanischer Geburtshelfer dient dazu, bei einer geeigneten Geburtssituation eine kontrollierte und dosierbare Zugunterstützung zu ermöglichen.

Das Gerät wird am Muttertier abgestützt und nimmt die zuvor angebrachten Geburtsstricke beziehungsweise -ketten auf. Über die Mechanik lässt sich die Zugbewegung kontrollierter ausführen als durch mehrere gleichzeitig ziehende Personen.

Der Vorteil liegt deshalb nicht darin, möglichst große Kräfte aufzubauen, sondern darin, die notwendige Unterstützung kontrolliert, gleichmäßig und jederzeit lösbar ausführen zu können.

Wann kann ein Geburtshelfer sinnvoll sein?

Wenn:

✓ der Geburtsweg ausreichend geöffnet ist

✓ die Geburtslage eindeutig beurteilt wurde

✓ eine für den Auszug geeignete Lage vorliegt

✓ kein offensichtliches Missverhältnis zwischen Kalb und Geburtsweg besteht

✓ die verwendeten Geburtsstricke oder -ketten korrekt sitzen

✓ die ausführende Person mit dem Gerät vertraut ist

Wann sollte der Tierarzt gerufen werden?

Eine der wichtigsten Entscheidungen bei der Geburtshilfe ist zu erkennen, wann die Möglichkeiten im Betrieb ausgeschöpft sind.

Tierärztliche Hilfe sollte frühzeitig hinzugezogen werden, wenn die Geburtslage nicht sicher beurteilt oder korrigiert werden kann, das Kalb nicht durch den Geburtsweg passt oder trotz geeigneter Unterstützung kein ausreichender Fortschritt erzielt wird.

Weitere Gründe sind unter anderem ein deutlich beeinträchtigter Allgemeinzustand der Kuh, stärkere Blutungen, Verletzungen, eine unzureichende Öffnung des Geburtsweges oder andere Hinweise auf eine komplizierte Geburt.

Auch bei Unsicherheit gilt: früh anrufen statt erst nach längerem erfolglosem Ziehen. Tierärztliches Fachpersonal ist zudem sicher im Umgang mit Hilfsmitteln wie dem Geburtshelfer.

Nach der Geburt: Kuh und Kalb weiter beobachten

Mit der Geburt des Kalbes ist das Geburtsmanagement noch nicht abgeschlossen. Besonders nach einer schweren oder unterstützten Geburt sollten sowohl Kuh als auch Kalb aufmerksam beobachtet werden.

Das Kalb direkt nach der Geburt

Zunächst muss sichergestellt werden, dass das Kalb ausreichend atmet. Sichtbare Flüssigkeit oder Schleim im Bereich von Nase und Maul kann vorsichtig entfernt werden. Anschließend sollte das Kalb möglichst in Brustlage gebracht, getrocknet und auf Atmung, Reaktionsfähigkeit und Saugreflex beobachtet werden.

Ein Kalb sollte nicht routinemäßig an den Hinterbeinen aufgehängt werden, um vermeintlich Fruchtwasser aus der Lunge ablaufen zu lassen. Eine freie Atmung und stabile Brustlage sind wichtiger.

 

Kalb neu

Kolostrum frühzeitig sicherstellen

Kolostrum ist die erste Milch der Kuh nach der Geburt. Das Kalb nimmt sie entweder direkt am Euter auf oder sie wird gemolken und kontrolliert über Flasche bzw. Sauger verabreicht. Hochwertiges Kolostrum kann zudem eingefroren und für spätere Kalbungen bevorratet werden. Eine frühe und ausreichende Versorgung mit hochwertigem Kolostrum gehört zu den wichtigsten Maßnahmen für die Gesundheit des neugeborenen Kalbes. Die Fähigkeit des Kalbes, Immunglobuline aufzunehmen, nimmt nach der Geburt zunehmend ab. Das betriebliche Kolostrum-Management sollte deshalb darauf ausgerichtet sein, möglichst früh hochwertiges und hygienisch einwandfreies Kolostrum bereitzustellen.

Nabel kontrollieren und versorgen

Der frische Nabel stellt unmittelbar nach der Geburt eine mögliche Eintrittspforte für Krankheitserreger dar. Er sollte deshalb entsprechend dem betrieblichen Hygienekonzept kontrolliert und versorgt werden. Ein sauberer Abkalbebereich, geeignete Nabelhygiene und eine ausreichende Kolostrumversorgung gehören dabei zusammen.

Auch die Kuh nach der Geburt kontrollieren

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Nach einer unterstützten oder schweren Geburt sollte das Muttertier ebenfalls besonders beobachtet werden. Zu kontrollieren sind insbesondere Allgemeinzustand, Futter- und Wasseraufnahme sowie auffällige Verletzungen oder Blutungen. Auch der weitere Verlauf der Nachgeburtsphase sollte beobachtet werden.

Schwergeburten erhöhen das Risiko für Folgeprobleme und können die Gesundheit und weitere Fruchtbarkeit des Muttertieres beeinträchtigen. Bei Auffälligkeiten sollte der betreuende Tierarzt hinzugezogen werden.

Häufige Fehler bei der Geburtshilfe

Typischer Fehler Mögliche Folge
Zu früh eingreifen Die natürlichen Geburtsvorgänge und die vollständige Öffnung des Geburtsweges brauchen Zeit.
Zu lange abwarten, obwohl kein Fortschritt erkennbar ist Kuh und Kalb können zunehmend erschöpfen und die Prognose kann sich verschlechtern.
Ziehen, bevor die Geburtslage geklärt ist Fehlhaltungen oder andere Geburtsstörungen können dadurch verschärft werden.
Mehr Kraft einsetzen, wenn das Kalb nicht weiterkommt Ein Größenmissverhältnis oder eine Fehlhaltung lässt sich nicht mit zusätzlicher Zugkraft lösen.
Unsaubere Geburtsstricke und Hilfsmittel verwenden Erhöht das Risiko, Keime in den Geburtsweg einzutragen.
Zu wenig Gleitmittel einsetzen Erhöht Reibung und Belastung für Geburtswege und Kalb.
Geburtshelfer als Kraftverstärker betrachten Unsachgemäße mechanische Zughilfe kann schwere Verletzungen verursachen.
Tierarzt erst nach langen erfolglosen Versuchen rufen Wertvolle Zeit kann verloren gehen und spätere Maßnahmen werden schwieriger.
Kuh und Kalb nach dem Auszug nicht weiter kontrollieren Folgen einer Schwergeburt können erst nach der eigentlichen Geburt sichtbar werden.

Geburtshelfer und Ausstattung im Betrieb

Ein geeigneter Geburtshelfer kann erfahrene Anwender bei einer für den Auszug geeigneten Geburtssituation unterstützen. Wichtig sind eine gut kontrollierbare Mechanik und die Möglichkeit, die Zugkraft bei Bedarf schnell wieder zu lösen.

Häufige Fragen zur Geburtshilfe bei Rindern

Entscheidend ist, ob die Geburt sichtbar voranschreitet. Bei deutlicher Wehentätigkeit ohne Fortschritt sollte die Situation fachkundig beurteilt werden. Als Orientierung gelten bei einer ausgewachsenen Kuh etwa 30 Minuten aktives Pressen ohne sichtbaren Fortschritt als Anlass zur Kontrolle; Färsen können länger benötigen. Auffällige Geburtslagen oder ein verschlechterter Allgemeinzustand erfordern eine frühere Reaktion.
Die häufigste normale Geburtslage ist die Vorderendlage: Beide Vorderbeine sind gestreckt und der Kopf liegt darüber beziehungsweise zwischen ihnen. Andere Lagen müssen sorgfältig beurteilt werden und können besondere Geburtshilfe erforderlich machen.
Erst wenn der Geburtsweg ausreichend geöffnet, die Lage des Kalbes geklärt und ein vaginaler Auszug aufgrund der Größenverhältnisse möglich erscheint. Der mechanische Geburtshelfer dient der kontrollierten Unterstützung und nicht dazu, einen nicht passenden oder falsch liegenden Fetus mit höherer Kraft zu entwickeln.
Zulässige Belastung und Bedienung hängen vom verwendeten Gerät und von der jeweiligen Geburtssituation ab. Entscheidend ist eine kontrollierte Anwendung nach Herstellerangaben durch entsprechend erfahrene Personen. Starker Widerstand oder fehlender Fortschritt sind Gründe, die Zughilfe zu stoppen und die Situation neu beurteilen zu lassen.
Unter anderem dann, wenn die Geburtslage nicht eindeutig beurteilt oder korrigiert werden kann, der Geburtsweg nicht ausreichend geöffnet ist, ein Größenmissverhältnis vermutet wird, trotz geeigneter Unterstützung kein Fortschritt eintritt oder sich der Allgemeinzustand der Kuh verschlechtert.
Bei Untersuchungen und geburtshilflichen Eingriffen können Keime in den Geburtsweg gelangen. Saubere Hände beziehungsweise Handschuhe, gereinigte Hilfsmittel und ein sauberer Abkalbebereich reduzieren diese Belastung. Gleichzeitig beginnt für das Kalb unmittelbar nach der Geburt der Kontakt mit Umweltkeimen.
Zunächst sollte kontrolliert werden, ob es frei und ausreichend atmet. Anschließend sind Wärme, Trocknung, Nabelhygiene und eine möglichst frühe Versorgung mit hochwertigem Kolostrum zentrale Punkte des Neugeborenenmanagements. Besonders Kälber nach Schwergeburten sollten sorgfältig auf ihre Vitalität beobachtet werden.
Quellen & weiterführende Informationen

Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL): Fachinformationen zur Geburtshilfe und zum Management rund um die Rindergeburt.
Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen: Fachinformationen und Schulungsangebote zur Geburtshilfe beim Rind.
Tierärztliche Hochschule Hannover: Lehrinhalte zur Beurteilung von Lage, Stellung und Haltung des Kalbes bei der Geburt.
MSD Veterinary Manual: Management of Calving in Cattle.
Pennsylvania State University Extension: Fachinformationen zu Kalbeverlauf, Geburtshilfe, Kolostrum- und Nabelmanagement.
University of Minnesota Extension: Fachinformationen zur Versorgung und Vitalität neugeborener Kälber.

Hinweis: Die genannten Quellen dienen der fachlichen Einordnung. Bei Komplikationen während der Kalbung ist eine tierärztliche Beurteilung erforderlich.