Euronetz richtig aufstellen: stabil spannen und gute Leitfähigkeit erhalten
Ein Euronetz ist schnell aufgestellt. Trotzdem entscheidet die Art des Aufbaus darüber, ob das Netz anschließend gerade steht, die Pfähle aufrecht bleiben und die elektrische Spannung zuverlässig über die gesamte Zaunlänge geführt wird.
Entscheidend ist dabei nicht, das Weidenetz möglichst stark zu ziehen. Besser ist eine gleichmäßige Spannung über die gesamte Strecke. Anfang, Ende und besonders die Ecken müssen die entstehenden Zugkräfte aufnehmen können. Gleichzeitig sollten stromführende Litzen möglichst wenig Kontakt zu Gras, Ästen oder dem Boden haben.
Wer diese Punkte bereits beim Aufbau berücksichtigt, entlastet die Netzpfähle und schafft gute Voraussetzungen für einen stabilen und elektrisch zuverlässigen Weidezaun.
- Warum die richtige Spannung beim Weidenetz so wichtig ist
- Euronetz Schritt für Schritt richtig aufstellen
- Ecken brauchen zusätzliche Stabilität
- Unterstützungspfähle
- Was tun bei Bodenwellen und unebenem Gelände?
- So erreicht ein Euronetz eine gute Leitfähigkeit
- Bewuchs von stromführenden Litzen fernhalten
- Gute Erdung des Weidezaungerätes sicherstellen
- Verbindungen sauber herstellen
- Stromführende Litzen nicht unnötig erden
- Häufige Fehler beim Aufbau von Euronetzen
- Checkliste nach dem Aufbau
Warum die richtige Spannung beim Weidenetz so wichtig ist
Ein Weidenetz bildet anders als ein fester Elektrozaun eine zusammenhängende flexible Fläche. Wird an einem Ende oder an einzelnen Netzabschnitten stark gezogen, verteilt sich diese Zugkraft deshalb auf Pfähle und Litzen.
Das Ziel ist ein Netz, das aufrecht und gleichmäßig gespannt steht. Die horizontalen Litzen sollen möglichst gerade verlaufen, ohne dass einzelne Pfähle deutlich zur Seite gezogen werden.
Ein typisches Zeichen für eine ungünstige Spannung ist ein Pfahl, dessen Spitze zwar fest im Boden steht, dessen oberer Bereich aber sichtbar in Richtung des nächsten Pfahls gezogen wird. Noch stärker zeigt sich das häufig an Ecken: Hier wirken Zugkräfte aus zwei Richtungen gleichzeitig. Hier kann es durch falsches Stellen der Pfosten sogar zu Beschädigungen am Netz kommen:
Beim folgenden Bild sieht man im unteren Bereich bereits gerissene Litzen. Hier wirkt auch ein Unterstützungspfahl keine Wunder mehr, da die Spannung Litze und Pfahl einfach überlastet. Dauerhaft führt dies dann zu Beschädigungen und im schlimmsten Fall auch zu Verlust der Tiere durch Ausbrechen dieser, oder durch Einbrechen von Beutegreifern.
Dieser Eckpfahl ist nicht optimal gestellt.
Straff bedeutet nicht maximal gespannt
Naheliegend wäre, das Netz möglichst kräftig auseinanderzuziehen. Genau das kann jedoch dazu führen, dass einzelne Kunststoffpfähle einen großen Teil der Zugkraft aufnehmen müssen.
Besser ist es, die Spannung über die komplette Netzlänge zu verteilen. Wenn Sie während des Aufbaus merken, dass einzelne Pfähle stark schräg stehen, sollte deshalb nicht einfach an der gegenüberliegenden Seite weitergezogen werden. Kontrollieren Sie zunächst die vorhergehenden Netzabschnitte und verteilen Sie vorhandenes Spiel gleichmäßiger.
Euronetz Schritt für Schritt richtig aufstellen
1. Zaunverlauf vorbereiten
Legen Sie zunächst fest, wo das Netz verlaufen soll. Größere Äste, dichter Bewuchs und andere Hindernisse sollten aus der Zaunlinie entfernt werden.
Das erleichtert nicht nur das Aufstellen. Weniger Bewuchs bedeutet bei einem elektrifizierten Netz zugleich weniger unerwünschte Ableitung der elektrischen Spannung.
2. Anfang des Netzes stabil setzen
Der erste Pfahl gibt die Richtung für den folgenden Netzabschnitt vor. Setzen Sie ihn möglichst senkrecht und vollständig in den Boden.
Verstärkte Anfangs- und Endpfähle sind hier von Vorteil. Bei Original-Euronetzen in Jumbo-Ausführung werden beispielsweise stärkere Anfangs- und Endpfähle verwendet, damit sich das Netz besser spannen lässt.
3. Netz entlang der vorgesehenen Linie aufstellen
Setzen Sie die integrierten Pfähle nacheinander entlang der geplanten Zaunlinie. Versuchen Sie noch nicht, jeden einzelnen Abschnitt sofort maximal zu spannen.
Erst wenn ein längerer Abschnitt oder das gesamte Netz steht, lässt sich beurteilen, wo noch Spiel vorhanden ist und wie sich dieses am besten verteilen lässt.
4. Spannung gleichmäßig verteilen
Richten Sie anschließend die Pfähle aus und verteilen Sie die Netzspannung über die gesamte Strecke.
Das Netz sollte weder sichtbar durchhängen noch einzelne Pfähle stark seitlich belasten. Kleine Korrekturen an mehreren Pfählen sind meist besser als eine große Korrektur an nur einem Punkt.
5. Anfang und Ende kontrollieren
Am Ende des Netzes entsteht erneut eine erhöhte Zugbelastung. Der letzte Pfahl sollte deshalb ebenso sorgfältig ausgerichtet werden wie der Anfangspfahl.
Steht das Ende trotz gleichmäßiger Netzspannung deutlich schräg, kann eine zusätzliche Abstützung helfen.
Ecken brauchen zusätzliche Stabilität
Ein gerader Netzabschnitt zieht überwiegend in zwei entgegengesetzte Richtungen. An einer Ecke ändert sich die Richtung des Zauns. Dadurch wirken die Kräfte anders auf den dort stehenden Pfahl.
Eine scharfe Ecke nur über einen normalen integrierten Kunststoffpfahl zu führen, kann deshalb dazu führen, dass dieser sichtbar nach innen gezogen wird.
Unterstützungspfähle
Gut gestellter Unterstützungspfahl an einer Ecke, an der zwei Netze miteinander verbunden sind
Bei stärkeren Richtungsänderungen empfiehlt sich ein zusätzlicher stabiler Pfahl an der Ecke. Er übernimmt einen Teil der Zugkräfte und entlastet den eigentlichen Netzpfahl.
Je nach Gelände und Aufbau kann die Ecke zusätzlich nach außen abgestützt oder abgespannt werden. Entscheidend ist, dass der Netzpfahl selbst möglichst senkrecht bleibt.
Praxisregel: Je stärker der Richtungswechsel und je höher die Netzspannung, desto wichtiger wird eine stabile Ecklösung.
Bei einem nahezu geraden Verlauf reichen häufig die integrierten Pfähle. Bei einem deutlichen Knick oder einer 90-Grad-Ecke sollte dagegen zusätzliche Stabilität eingeplant werden.
Was tun bei Bodenwellen und unebenem Gelände?
Ein Weidenetz muss nicht nur oben gerade stehen. Auch der Verlauf am Boden spielt eine Rolle.
Bei einer Senke entsteht schnell ein Abstand zwischen Netz und Boden. Auf einer Bodenwelle kann dagegen zu viel Material zusammengedrückt werden und die angrenzenden Pfähle seitlich belasten.
Statt das Problem durch stärkeren Zug auszugleichen, können zusätzliche Pfähle oder Heringe eingesetzt werden. Damit lässt sich das Netz der Geländekontur anpassen, ohne die vorhandenen Netzpfähle übermäßig zu verbiegen.
Besonders bei wechselndem oder hügeligem Gelände können Netze mit starren vertikalen Streben zusätzlich helfen, ein Durchhängen der Netzfläche zu reduzieren.
So erreicht ein Euronetz eine gute Leitfähigkeit
Ein sauber stehendes Netz ist nur ein Teil eines funktionierenden Elektrozauns. Bei einem elektrifizierten Euronetz müssen auch Weidezaungerät, Erdung, Leitermaterial, Verbindungen und Zaunverlauf zusammenspielen.
Für eine möglichst gute Stromführung sind vor allem die nachfolgend aufgeführten Punkte entscheidend.
Bewuchs von stromführenden Litzen fernhalten
Gras, Kräuter, Äste und andere Pflanzen können elektrische Energie vom Zaun ableiten. Je stärker der Bewuchs und je länger die Zaunanlage, desto deutlicher kann sich dieser Verlust bemerkbar machen.
Die Zaunlinie sollte deshalb bereits vor dem Aufbau freigeschnitten werden. Während der Nutzung lohnt sich eine wiederkehrende Kontrolle.
Gerade im Frühjahr und Frühsommer kann eine ursprünglich freie Zaunlinie innerhalb kurzer Zeit wieder zuwachsen.
Gute Erdung des Weidezaungerätes sicherstellen
Der Stromkreis eines Elektrozauns funktioniert über Tierkontakt, Boden und Erdung zurück zum Gerät. Eine unzureichende Erdung kann deshalb die Leistung der gesamten Zaunanlage begrenzen, selbst wenn Netz und Weidezaungerät technisch leistungsfähig sind.
Wenn die gemessene Zaunspannung deutlich niedriger ist als erwartet, sollte deshalb nicht automatisch zuerst das Netz verantwortlich gemacht werden. Auch Erdung, Bewuchs und Anschlussstellen gehören zur Fehlersuche.
Verbindungen sauber herstellen
Werden mehrere Netze miteinander verbunden, müssen die stromführenden Leiter elektrisch zuverlässig miteinander verbunden sein.
Lose, verschmutzte oder korrodierte Kontaktstellen erhöhen den elektrischen Widerstand. Für Verbindungen und Reparaturen sollten dafür vorgesehene elektrische Verbinder verwendet werden. Ein einfacher Knoten im Leitermaterial stellt keine gleichwertige elektrische Verbindung dar.
Stromführende Litzen nicht unnötig erden
Bei vielen Elektronetzen ist die unterste Bodenlitze bewusst nicht stromführend. Sie kann dadurch unmittelbar am Boden verlaufen, ohne permanent elektrische Energie abzuleiten.
Die darüberliegenden stromführenden Litzen sollten dagegen möglichst frei von dauerhaftem Boden- oder Pflanzenkontakt bleiben.
Häufige Fehler beim Aufbau von Euronetzen
| Problem | Mögliche Ursache | Lösung |
|---|---|---|
| Pfähle stehen schräg | Das Netz ist an einzelnen Stellen zu stark gespannt. | Die Spannung über mehrere Netzabschnitte gleichmäßig verteilen. |
| Eckpfahl wird nach innen gezogen | An der Ecke wirken Zugkräfte aus zwei Richtungen auf einen Pfahl. | Einen zusätzlichen stabilen Eck- oder Unterstützungspfahl einsetzen. |
| Netz hängt zwischen den Pfählen durch | Die Netzspannung ist zu gering oder das Gelände ist uneben. | Spannung gleichmäßig korrigieren oder einen zusätzlichen Pfahl setzen. |
| Netz folgt einer Senke nicht | Der vorhandene Pfahlabstand reicht für die Geländeform nicht aus. | Zusätzlichen Pfahl oder Hering einsetzen und das Netz dem Gelände anpassen. |
| Zaunspannung ist zu niedrig | Bewuchs, schlechte Verbindungen, die Erdung oder die Geräteleistung können die Ursache sein. | Zaunanlage systematisch kontrollieren und die Ursache der Spannungsverluste beheben. |
| Spannung fällt bei mehreren Netzen deutlich ab | Langer Leitungsweg, Bewuchs oder hohe Übergangswiderstände belasten die Anlage. | Verbindungen, Bewuchs, Erdung und Leistung des Weidezaungeräts prüfen. |
Checkliste nach dem Aufbau
✓ Anfangs- und Endpfahl stehen stabil und möglichst senkrecht.
So wird die Netzspannung gleichmäßig aufgenommen.
✓ Die Spannung ist gleichmäßig über die gesamte Netzstrecke verteilt.
Dadurch werden einzelne Kunststoffpfähle nicht unnötig belastet oder verbogen.
✓ Ecken und starke Richtungswechsel sind zusätzlich stabilisiert.
Ein zusätzlicher Pfahl verhindert, dass der Netzpfahl nach innen gezogen wird.
✓ Bodenwellen und Senken wurden ausgeglichen.
Zusätzliche Pfähle oder Heringe helfen dabei, das Netz sauber dem Gelände anzupassen.
✓ Stromführende Litzen sind möglichst frei von Bewuchs.
Das reduziert unerwünschte elektrische Ableitungen.
✓ Die Verbindungen zwischen mehreren Netzen sitzen sauber und fest.
So werden unnötige Übergangswiderstände vermieden.
✓ Erdung und Weidezaungerät wurden kontrolliert.
Beide beeinflussen die Spannung der gesamten Zaunanlage.
✓ Die Zaunspannung wurde auch am entfernten Ende gemessen.
So lässt sich prüfen, ob die elektrische Spannung über die gesamte Netzstrecke ankommt.
