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Trächtige Kuh auf Weide Milchfieberprophylaxe (1)

Ratgeber für Milchviehhalter

Milchfieberprophylaxe bei Kühen:
Calciumversorgung rund um die Kalbung planen

Die Kalbung steht bevor, die Kuh wirkt unauffällig und trotzdem beginnt gerade eine der anspruchsvollsten Stoffwechselphasen der Laktation. Mit dem Einsetzen der Milchbildung steigt der Calciumbedarf innerhalb kurzer Zeit stark an. Eine wirksame Milchfieberprophylaxe beginnt deshalb nicht erst bei einer festliegenden Kuh, sondern mit einer abgestimmten Trockensteherfütterung, der Beobachtung von Risikotieren und einer gezielten Calciumversorgung rund um die Kalbung. Ergänzungsfuttermittel wie Calcium-Boli können dabei Teil eines betrieblichen Vorsorgekonzeptes sein, ersetzen aber weder Rationsplanung noch tierärztliche Betreuung.

Milchfieber verstehen: Wenn die Calciumregulation nicht schnell genug nachkommt

Milchfieber ist die klinische Form einer Hypokalzämie rund um die Kalbung. Mit Beginn der Laktation wird plötzlich viel Calcium für die Milchbildung benötigt. Der Organismus muss darauf reagieren, indem er Calcium aus körpereigenen Reserven mobilisiert, die Aufnahme aus dem Verdauungstrakt anpasst und Calciumverluste begrenzt. Reicht diese Anpassung nicht aus, fällt die Calciumkonzentration im Blut ab.

Calcium wird unter anderem für Muskel- und Nervenfunktion benötigt. Deshalb kann ein ausgeprägter Mangel die Bewegungsfähigkeit und weitere Körperfunktionen beeinträchtigen. Die subklinische Hypokalzämie verläuft dagegen ohne die typischen sichtbaren Zeichen eines klinischen Milchfiebers und lässt sich allein durch Beobachtung nicht sicher beurteilen.

milchfieber bei milchkuhen erklart

Milchfieber bei Milchkühen erklärt

Welche Kühe haben ein erhöhtes Risiko?

milchfieberprphylaxe festliegende kuh kurz vor kalbung

Kuh kurz vor der Kalbung

Wichtig:

Eine festliegende, schwache oder auffällig reagierende Kuh ist kein Fall für reine Prophylaxe. Bei Verdacht auf Milchfieber oder eine andere akute Erkrankung sollte unverzüglich tierärztliche Hilfe eingeholt werden.

Das individuelle Risiko hängt nicht von einem einzigen Faktor ab. In der Praxis sollten Alter bzw. Laktationsnummer, bisherige Stoffwechselprobleme, Körperkondition, Futteraufnahme und das gesamte Trockenstehermanagement gemeinsam betrachtet werden. Mehrkalbige und leistungsstarke Kühe benötigen rund um den Start der Laktation besondere Aufmerksamkeit.

Auch die Mineralstoffversorgung der Trockensteherration spielt eine zentrale Rolle. Dabei geht es nicht darum, kurz vor der Kalbung möglichst viel Calcium zu füttern. Entscheidend ist vielmehr, dass die Ration fachlich geplant ist und den Calciumstoffwechsel auf die bevorstehende Laktation vorbereitet. Je nach Fütterungssystem können dabei unter anderem Calcium, Magnesium, Kalium sowie die Kationen-Anionen-Bilanz der Ration relevant sein.

Milchfieber ist eine der verlustreichsten Erkrankungen bei Kühen nach der Geburt. Es verursacht pro Kuh einen Verlust von ca. 300 Euro. Mit dem neuen CALCITOP Calcium Bolus wird eine ausreichende Calciumversorgung rund um das Kalben sichergestellt und die Gefahr des Milchfiebers verringert. Der Bolus ist ein schnelllöslicher Calciumzusatz mit einem sehr hohen Calciumgehalt. Die Kuh erhält pro Fütterung 40 g reines Calcium und zusätzlich Phosphor. Eine Hochleistungskuh hat einen Bedarf von ca. 35 g Calcium pro Tag nach dem Kalben. Ein Vitamin D 3 Zusatz fördert die Calciumaufnahme.

Milchfieber vorbeugen: Das Zusammenspiel entscheidet

Eine belastbare Milchfieberprophylaxe kombiniert Fütterungsmanagement, Beobachtung und gezielte Ergänzung. Ein einzelner Bolus kann ein durchdachtes Trockensteher- und Transitmanagement nicht ersetzen. Umgekehrt kann eine gezielte orale Calciumgabe bei ausgewählten Kühen rund um die Kalbung ein Baustein des betrieblichen Konzeptes sein.

 

Bausteine einer Milchfieberprophylaxe

Baustein Ziel Praxisbezug
Trockensteherfütterung Calciumstoffwechsel auf die Laktation vorbereiten Ration fachlich planen und Mineralstoffversorgung kontrollieren
Risikobewertung Kühe mit höherem Unterstützungsbedarf erkennen Laktationsnummer, Vorgeschichte, Körperkondition und Futteraufnahme berücksichtigen
Calciumergänzung Calciumversorgung rund um die Kalbung unterstützen Produkt und Fütterungsschema nach Kennzeichnung einsetzen
Beobachtung nach der Kalbung Abweichungen früh erkennen Aufstehvermögen, Verhalten, Futteraufnahme und Allgemeinzustand kontrollieren
Tierärztliche Behandlung Akute Erkrankungen behandeln Bei klinischem Verdacht nicht durch Ergänzungsfuttermittel ersetzen

Calcium-Boli rund um die Kalbung gezielt einsetzen

calcitop calcium boli

Für Kühe, bei denen eine orale Calciumergänzung Teil des Prophylaxekonzeptes ist, steht mit dem CALCITOP Calcium Bolus ein diätetisches Mineralfuttermittel zur Verringerung der Gefahr des Milchfiebers zur Verfügung. Das Produkt ist für die Calciumversorgung ab den ersten Anzeichen vor dem Kalben bis zu zwei Tage nach dem Kalben vorgesehen.

Ein Bolus enthält 75 g Calciumformiat, 4 g Phosphor und Vitamin D3. Laut Fütterungsschema werden zunächst 2 Boli 12 bis 24 Stunden vor dem Kalben, anschließend 2 Boli unmittelbar nach dem Kalben sowie je nach Bedarf weitere 1 oder 2 Boli 10 bis 12 Stunden und 24 Stunden nach dem Kalben gegeben. Pro Fütterung mit 2 Boli werden 40 g reines Calcium, 8 g Phosphor und 1,3 g Magnesium zugeführt.

Bei der Auswahl sollte nicht allein die Menge des enthaltenen Calciums betrachtet werden. Zeitpunkt, Risikoprofil der Kuh, übrige Ration und das gesamte Transitmanagement entscheiden darüber, wie eine Calciumergänzung sinnvoll in den Betrieb integriert wird. Ergänzende Produkte für Kühe und Kälber sind in der Kategorie Ergänzungsfuttermittel für Kühe und Kälber zusammengefasst.

 

 

Phosphorversorgung: Verwandtes Thema, aber nicht dasselbe wie Milchfieberprophylaxe

Weitere Stoffwechselprobleme und Mangelerscheinungen, die rund um die Kalbung und zu Beginn der Laktation auftreten können, sind insbesondere Phosphormangel und Ketose. Auch hier spielen ein gutes Herdenmanagement und eine vorausschauende Betreuung der Kühe während der Transitphase eine entscheidende Rolle. Eine bedarfsgerechte Fütterung, die regelmäßige Beobachtung der Tiere und das frühzeitige Erkennen von Auffälligkeiten helfen dabei, Stoffwechselbelastungen zu reduzieren und einen möglichst guten Start in die Laktation zu unterstützen.

Calcium- und Phosphorstoffwechsel stehen in enger Beziehung, trotzdem sind Calcium- und Phosphormangel nicht gleichzusetzen. Der Phocaltop-Phosphor Bolus ist ein Ergänzungsfuttermittel zum Ausgleich bei Phosphormangel bei Kühen und wird für Phasen mit erhöhtem Phosphorbedarf, beispielsweise im Zeitraum der Kalbung, angeboten.

Ein PHOCALTOP Bolus enthält 15 g Phosphor und 16 g Calcium. Das ausgewiesene Fütterungsschema sieht 2 Boli bei den ersten Anzeichen des Kalbens und 2 Boli direkt nach dem Abkalben vor. Eine Kombination mit CALCITOP wird auf den Produktseiten als Möglichkeit zur gemeinsamen Calcium- und Phosphorversorgung beschrieben. Ob eine solche Kombination im konkreten Bestand eingesetzt werden soll, sollte anhand des Risikoprofils, der Fütterung und gegebenenfalls tierärztlicher bzw. fütterungsfachlicher Beratung entschieden werden.

KETOTOP und Ketose: Ergänzende Transitkuh-Unterstützung klar abgrenzen

kuh mit kalb ketotop

Rund um die Kalbung können mehrere Stoffwechselprobleme gleichzeitig oder nacheinander auftreten. Ketose ist jedoch ein anderes Stoffwechselthema als Hypokalzämie. Der KETOTOP-Ketose Bolus wird zur Unterstützung von Energieversorgung und Leberfunktion angeboten und richtet sich laut Produktbeschreibung insbesondere an übermäßig fette Tiere vor dem Abkalben oder Tiere mit Appetitverlust.

Eine Dosis besteht aus einem weißen und einem roten Bolus. Das Produktschema sieht eine Gabe 10 Tage vor dem Abkalben, unmittelbar nach dem Abkalben und bei Bedarf nochmals nach zwei Tagen vor. Für die Milchfieberprophylaxe ist KETOTOP deshalb nicht als Calciumprodukt einzuordnen, sondern als eigenständiger Baustein im Management von Risikotieren in der Transitphase.

 

Boli bei Kühen sicher und nachvollziehbar eingeben

Wenn Sie Boli einsetzen, sollte die Anwendung ruhig, vorbereitet und entsprechend der jeweiligen Produktanweisung erfolgen. Der Eingeber für Boli besteht aus Metall, ist 53 cm lang, für Einhandbedienung ausgelegt und besitzt eine Eingabehülse mit 36 mm Innendurchmesser sowie Haltefeder. Vor dem ersten Einsatz soll getestet werden, wie sich der verwendete Bolus aus der Tülle löst.

Wichtig vor der Bolusgabe:

  • Tier und Produkt eindeutig zuordnen. So vermeiden Sie Verwechslungen zwischen Calcium-, Phosphor- und anderen Boli.
  • Fütterungsschema prüfen. Zeitpunkt und Anzahl der Boli müssen zum jeweiligen Produkt passen.
  • Eingeber vorab testen. So ist bekannt, wie der Bolus aus der Halterung freigegeben wird.
  • Gabe dokumentieren. Datum, Uhrzeit und Produkt festhalten, damit Folgegaben nachvollziehbar bleiben.
  • Tier danach beobachten. Auffälligkeiten nach der Kalbung dürfen nicht allein als Mineralstoffproblem interpretiert werden.
bolieingabegerat handhabung 5550

Kontrolle nach der Kalbung: Prophylaxe endet nicht mit der Bolusgabe

Kalb neu

Typische Fehler bei der Milchfieberprophylaxe vermeiden

Häufige Fehler und bessere Vorgehensweise

Fehler Warum problematisch? Besser
Prophylaxe erst bei sichtbaren Symptomen beginnen Dann kann bereits eine klinische Erkrankung vorliegen. Risikobewertung und Maßnahmen vor der Kalbung planen.
Alle Kühe identisch behandeln Risiko und Bedarf unterscheiden sich zwischen Tieren. Risikogruppen definieren und betriebliches Schema abstimmen.
Bolus als Ersatz für Rationsmanagement ansehen Calciumhomöostase wird von mehreren Fütterungs- und Tierfaktoren beeinflusst. Trockensteherfütterung, Mineralstoffversorgung und Ergänzung gemeinsam planen.
Calcium-, Phosphor- und Ketoseprodukte gleichsetzen Die Produkte verfolgen unterschiedliche ernährungsphysiologische Ziele. Produkt nach konkretem Stoffwechselziel auswählen.
Gaben nicht dokumentieren Folgegaben können vergessen oder doppelt durchgeführt werden. Tier, Produkt, Datum und Uhrzeit festhalten.

Produkte für die Transitphase richtig einordnen

Auswahlhilfe für die auf der bisherigen Siepmann-Seite genannten Produkte

Produkt Schwerpunkt Typischer Auswahlgrund
CALCITOP Calcium Bolus Calciumversorgung / Verringerung der Gefahr des Milchfiebers Gezielte Calciumergänzung rund um die Kalbung
Phocaltop-Phosphor Bolus Phosphorversorgung Ausgleich bei erhöhtem Phosphorbedarf bzw. Phosphormangel
KETOTOP-Ketose Bolus Energieversorgung und Leberfunktion Transitkuh-Unterstützung bei entsprechendem Ketose-Risiko
Eingeber für Boli Anwendungshilfe Mechanische Eingabe der genannten Boli

Die Milchfieberprophylaxe für den eigenen Bestand planen

Wenn Sie die Milchfieberprophylaxe im Bestand verbessern möchten, beginnen Sie mit der Trockensteherfütterung und der Definition Ihrer Risikotiere. Legen Sie anschließend fest, bei welchen Kühen eine orale Calciumergänzung rund um die Kalbung vorgesehen ist und wie Folgegaben dokumentiert werden. Phosphor- oder Ketoseprodukte werden nur dann ergänzt, wenn das jeweilige Stoffwechselziel zum Tier und zum betrieblichen Konzept passt.

Für die konkrete Produktauswahl stehen Ergänzungsfuttermittel für Kühe und Kälber sowie die oben beschriebenen Boli und Anwendungshilfen zur Verfügung. Bei klinischen Symptomen oder unklarer Stoffwechsellage sollte die weitere Versorgung mit dem Tierarzt bzw. der fütterungsfachlichen Beratung abgestimmt werden.

 

FAQ zur Milchfieberprophylaxe bei Kühen

Milchfieber ist die klinisch sichtbare Form einer ausgeprägten Hypokalzämie rund um die Kalbung. Ein erniedrigter Calciumstatus kann jedoch auch ohne typische klinische Zeichen auftreten.
Nein. Ein Calcium-Bolus dient der oralen Ergänzung im Rahmen eines Prophylaxe- oder Versorgungskonzeptes. Bei einer festliegenden, deutlich geschwächten oder anderweitig akut auffälligen Kuh ist tierärztliche Abklärung erforderlich.
Die Calciumversorgung der Transitkuh ist Teil eines komplexen Regulationssystems. Die gesamte Trockensteherration und unter anderem Magnesiumversorgung, Kaliumgehalt sowie Säure-Basen-Haushalt beeinflussen, wie gut sich der Organismus auf den plötzlich steigenden Calciumbedarf einstellt.
Nein. Ein Phosphor-Bolus verfolgt den Ausgleich eines erhöhten Phosphorbedarfs bzw. Phosphormangels. Calcium- und Phosphorversorgung können gemeinsam betrachtet werden, sollten aber nicht gleichgesetzt werden.
CALCITOP ist ein diätetisches Mineralfuttermittel zur Verringerung der Gefahr des Milchfiebers und unterstützt die Calciumversorgung. KETOTOP zielt auf Energieversorgung und Leberfunktion im Zusammenhang mit Ketose-Risiken und ist kein Calciumprodukt zur Milchfieberprophylaxe.
Für die mechanische Eingabe kann ein dafür ausgelegter Boli-Eingeber verwendet werden. Der Siepmann-Eingeber ist aus Metall, für Einhandbedienung ausgelegt und besitzt eine 36 mm weite Eingabehülse.
Kuh mit Kalb 1