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Stall reinigen und desinfizieren: Stallhygiene richtig durchführen

Reinigung oder Desinfektion – was ist der Unterschied?

Eine Desinfektion ersetzt die Reinigung nicht. Organische Verschmutzungen können Wirkstoffe binden oder Oberflächen abschirmen und dadurch die gewünschte Desinfektionswirkung beeinträchtigen. Deshalb gilt grundsätzlich: erst reinigen, dann desinfizieren.

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Reinigung Desinfektion
Entfernt Kot, Einstreu, Staub und organische
Verschmutzungen.
Reduziert oder inaktiviert Mikroorganismen
entsprechend dem ausgewiesenen Wirkspektrum.
Erfolgt vor einer möglichen Desinfektion. Erfolgt auf einer ausreichend gereinigten Fläche.
Mechanische Reinigung, Wasser und geeignete
Stallreiniger können eingesetzt werden.
Geeignetes Biozidprodukt nach Etikett und
Produktinformation verwenden.
Ziel: sichtbare Verschmutzung und Schmutzfilm
entfernen.
Ziel: hygienische Belastung gezielt vermindern.

Wann ist eine Stall-Desinfektion sinnvoll?

Wie häufig eine Desinfektion erforderlich ist, hängt von Tierart, Haltungssystem, Belegungsrhythmus, betrieblichen Risiken und dem jeweiligen Hygienekonzept ab. Eine pauschale Empfehlung für jeden Stall ist daher nicht sinnvoll.

  • nach dem Ausstallen und vor einer Neubelegung, wenn dies im betrieblichen Hygieneplan vorgesehen ist
  • bei erhöhtem Infektionsdruck oder nach festgestellten Erkrankungen – gegebenenfalls nach tierärztlicher oder behördlicher Vorgabe
  • bei besonders sensiblen Bereichen wie Abkalbe-, Kranken- oder Quarantänebereichen
  • bei Transportboxen, Gerätschaften oder Kontaktflächen, sofern das eingesetzte Produkt für diesen Anwendungsbereich geeignet ist
  • an betrieblichen Hygieneschleusen, zum Beispiel in dafür vorgesehenen Desinfektionsmatten.

Bei anzeigepflichtigen Tierseuchen gelten die Anordnungen der zuständigen Behörde. Für solche Situationen stellt das Friedrich-Loeffler-Institut spezielle Desinfektionsrichtlinien bereit.

Desinfektion Stall

Das richtige Desinfektionsmittel auswählen

Nicht jedes Mittel ist für denselben Zweck gedacht. Bereits Reinigung und Desinfektion erfüllen unterschiedliche Aufgaben: Reiniger lösen Kot, Fett, Eiweiß, Staub und andere organische Verschmutzungen von Flächen. Desinfektionsmittel werden dagegen anschließend eingesetzt, um die Keimbelastung gezielt zu reduzieren.

Auch innerhalb der Desinfektionsmittel unterscheiden sich die Produkte. Je nach Wirkstoff und Zulassung können sie beispielsweise gegen bestimmte Bakterien, Viren oder Pilze wirken oder für spezielle Anforderungen in der Tierhaltung vorgesehen sein. Andere Produkte sind wiederum auf besondere Problemstellungen oder Einsatzbereiche abgestimmt.

Deshalb sollte ein Mittel nicht allein danach ausgewählt werden, ob es „stark desinfiziert“. Entscheidend ist vielmehr: Was soll behandelt werden, gegen welche Erreger bzw. Erregergruppen soll das Mittel wirken und unter welchen Bedingungen wird es eingesetzt? Auch Materialverträglichkeit, Anwendungskonzentration und Einwirkzeit spielen bei der Auswahl eine Rolle.

In unserem Sortiment finden Sie deshalb sowohl Produkte für die gründliche Vorreinigung, Mittel für die allgemeine Stall- und Flächenhygiene als auch Spezialprodukte für bestimmte Einsatzbereiche. Welche Produkte sich wofür eignen, zeigt die folgende Übersicht.

 
 
 

 

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Aufgabe Produkt
Stallreinigung

Stallreiniger, z. B. ROTIE-Kraftreiniger.

Flächendesinfektion

Stalldesinfektionsmittel wie Rhodasept oder Rotie-Cid F1

Spezielle Belastungen

ROTIE-KOK total oder Interkokask Spray

Ausbringung

Geeignete chemikalienbeständige Druck- oder Sprühgeräte, z. B. Profi Star.

Biosicherheit am Zugang

Desinfektionsmatte in Verbindung mit dem dafür geeigneten Mittel.

Anwenderschutz

Handschuhe, Schutzbrille, Overall, Überziehstiefel oder Atemschutz

Die DVG-Desinfektionsmittelliste für den Tierhaltungsbereich bietet eine fachliche Orientierung zu geprüften Produkten und unterscheidet verschiedene Wirkungsbereiche, Temperaturen, Konzentrationen und Einwirkzeiten. Für die tatsächliche Anwendung sind die Angaben des jeweiligen Produkts maßgeblich.

Einsatzbereich und Materialverträglichkeit prüfen

Zusätzlich zum Wirkspektrum muss das Mittel für die zu behandelnde Fläche oder das Gerät geeignet sein. Stallboden, Kunststoff, Metall, Transportbox, Tränketechnik oder Veterinärinstrument sind nicht automatisch derselbe Anwendungsbereich.

Wichtig: Ein Flächendesinfektionsmittel für Stallungen ist nicht automatisch für Instrumente oder für die direkte Anwendung am Tier geeignet. Produktart, Etikett, Sicherheitsdatenblatt und Herstellerangaben beachten.

Stallreinigung und Desinfektion Schritt für Schritt

1. Tiere und bewegliche Gegenstände berücksichtigen: Vor Beginn prüfen, ob der Bereich unbelegt sein muss und welche Gegenstände entfernt oder separat gereinigt werden sollen.

2. Trocken vorreinigen: Einstreu, Kot, Futterreste, Staub und grobe Verschmutzungen möglichst vollständig entfernen.

3. Verschmutzungen einweichen: Fest anhaftende Rückstände können durch Einweichen leichter gelöst werden.

4. Gründlich reinigen: Flächen mechanisch und mit Wasser beziehungsweise einem geeigneten Stallreiniger reinigen. Schwer zugängliche Bereiche nicht vergessen.

5. Reinigungsreste entfernen: Nach dem Reinigen auf stehendes Schmutzwasser und Rückstände achten. Je nach Produkt und Verfahren muss die Fläche abtrocknen oder ablaufen können.

6. Desinfektionsmittel vorbereiten: Nur die benötigte Gebrauchslösung nach Etikett beziehungsweise Produktinformation ansetzen. Konzentration nicht nach Gefühl verändern.

7. Gleichmäßig ausbringen: Die zu behandelnden Flächen vollständig und gleichmäßig benetzen. Ausbringmenge und Verfahren richten sich nach der Produktinformation bzw. einer geprüften Anwendung.

8. Einwirkzeit einhalten: Die vorgegebene Einwirkzeit vollständig abwarten. Temperatur und Oberflächenzustand können die Anwendung beeinflussen.

9. Nachbehandlung und Wiederbelegung: Spülen, Abtrocknen, Lüften und Wiederbelegung nur so durchführen, wie es für das eingesetzte Mittel vorgesehen ist

Was braucht man für die richtige Ausbringung von Desinfektionsmitteln ?

Die größte Auswahl gibt es bei flüssigen Flächendesinfektionsmitteln, die mit Wasser verdünnt werden müssen und mit einer Druck-/Rückenspritze ausgebracht werden.
Ideal ist eine vorherige Stallreinigung mit einem Hochdruckreiniger, um grobe Verschmutzungen zu entfernen.
Wichtig ist, dass man die Herstellerangaben bezüglich Mischungsverhältnis, Ausbringmenge und Einwirkzeit genau befolgt.

Persönliche Schutzausrüstung

Desinfektionsmittel sind Biozidprodukte und können je nach Zusammensetzung Haut, Augen oder Atemwege belasten. Welche persönliche Schutzausrüstung notwendig ist, richtet sich nach dem verwendeten Produkt, der Konzentration und dem Ausbringverfahren.

Je nach Kennzeichnung können beispielsweise chemikalienbeständige Handschuhe, Schutzbrille, Schutzkleidung, Stiefel oder geeigneter Atemschutz erforderlich sein. Maßgeblich sind Etikett, Sicherheitsdatenblatt und betriebliche Gefährdungsbeurteilung. Eine bestimmte Maskenklasse sollte deshalb nicht pauschal für alle Desinfektionsmittel empfohlen werden.

Quellen & weiterführende Informationen

Friedrich-Loeffler-Institut (FLI): Fachinformationen und Empfehlungen zur Reinigung und Desinfektion in der Tierhaltung und bei Tierseuchen.
Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft (DVG): Informationen zu geprüften und gelisteten Desinfektionsmitteln für den Bereich Tierhaltung.
Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen: Fachinformationen zu Stallhygiene, Reinigung, Desinfektion und Biosicherheit.
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA): Informationen zum sicheren Umgang mit Biozidprodukten und chemischen Arbeitsstoffen.
Ergänzend wurden Produktinformationen, Anwendungshinweise und Sicherheitsdatenblätter der jeweiligen Hersteller berücksichtigt.

Häufige Fragen zur Stalldesinfektion

Nicht zwingend in jedem Betrieb und nach jedem Belegungswechsel. Ob eine Desinfektion sinnvoll oder vorgeschrieben ist, hängt von Tierart, Hygienekonzept, Infektionsrisiko und gegebenenfalls tierärztlichen oder behördlichen Vorgaben ab.
Kot, Einstreu, Staub und andere organische Rückstände können Wirkstoffe binden oder Flächen abschirmen. Eine gründliche Reinigung verbessert deshalb die Voraussetzungen für eine wirksame Desinfektion.
Das hängt vom Anwendungsbereich, Material und benötigten Wirkspektrum ab. Etikett, Produktinformation und gegebenenfalls DVG-Listung geben Auskunft über Konzentration, Einwirkzeit, Temperatur und geprüfte Wirkung.
Nein. Es muss geprüft werden, ob das Mittel beispielsweise nur gegen behüllte Viren oder auch gegen unbehüllte Viren ausgewiesen ist.
Die Einwirkzeit ist produktspezifisch. Sie darf nicht pauschal von einem anderen Mittel übernommen werden.
Wenn die Produktinformation dieses Verfahren erlaubt und das Sprühgerät chemisch dafür geeignet ist. Dichtungen und Materialien müssen zur Gebrauchslösung passen.
Erst wenn die Produktinformation dies zulässt und gegebenenfalls erforderliches Spülen, Trocknen oder Lüften abgeschlossen ist.
Die DVG prüft Desinfektionsmittel für definierte Einsatzbedingungen und Wirkspektren nach festgelegten Verfahren. Die Liste zeigt unter anderem Konzentrationen, Temperaturen und Einwirkzeiten für die geprüften Anwendungen.