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Stiefel für die Landwirtschaft: Sicherheitsklassen richtig auswählen

Landwirt mit robusten Gummistiefeln bei der Stallarbeit im Kuhstall

Robuste Stiefel für die Landwirtschaft – sicherer Halt und zuverlässiger Schutz bei der täglichen Arbeit in Stall, Hof und auf dem Feld.

Nasse Stallgänge, unebene Hofflächen, schwere Gegenstände und spitze Teile am Boden stellen sehr unterschiedliche Anforderungen an Arbeitsstiefel.Entscheidend ist deshalb nicht die pauschale Frage, ob ein Stiefel „für die Landwirtschaft“ geeignet ist, sondern welche Gefährdungen bei der konkreten Tätigkeit auftreten. Sicherheitsschuhe nach EN ISO 20345 besitzen eine Zehenschutzkappe; die aktuelle Normausgabe von 2022 unterscheidet unter anderem die Kategorien S1 bis S7 sowie Varianten für unterschiedliche Arten des Durchtrittschutzes. Für vollständig geformte oder vulkanisierte Stiefel bleiben S4 und S5 wichtig, während S6 und S7 wasserdichte Schuhe der Klassifizierung I beschreiben.

Welcher Stiefel passt zu Stall und Hof?

Für viele landwirtschaftliche Arbeiten sind Nässe, Verschmutzung und rutschige Böden Alltag. Gleichzeitig können mechanische Gefährdungen durch Tiere, Maschinen, Werkzeuge oder spitze Gegenstände auftreten. Die Auswahl des Fußschutzes sollte deshalb tätigkeitsbezogen erfolgen. Maßgeblich ist die Gefährdungsbeurteilung im Betrieb - nicht eine einzige Sicherheitsklasse für sämtliche Arbeiten.

Ein vollständig geformter S5-Sicherheitsstiefel ist für viele nasse und mechanisch anspruchsvolle Arbeiten eine praxisnahe Kombination aus Zehenschutz, Durchtrittschutz, Profilsohle und wasserdichter Bauweise. Je nach Tätigkeit können aber auch andere Kategorien oder Zusatzanforderungen passender sein.

 

Was bedeutet EN ISO 20345:2022?

Die EN ISO 20345 legt Anforderungen an Sicherheitsschuhe fest. Zur Grundausstattung gehört ein Zehenschutz, der auf eine Stoßenergie von 200 Joule geprüft wird. Die Kategorien bündeln weitere Anforderungen, damit sich die Schutzeigenschaften am Kurzzeichen erkennen lassen.

Die Normrevision 2022 hat die Systematik erweitert. Neu beziehungsweise stärker differenziert sind unter anderem S6 und S7, die Kennzeichnungen P, PL und PS für unterschiedliche Durchtrittschutzeinlagen sowie die Zusatzkennzeichnung SR für eine zusätzliche Rutschhemmungsprüfung. Deshalb sollte bei neuen Produktbeschreibungen nicht mehr ausschließlich mit der früheren S1-bis-S5-Systematik gearbeitet werden.

 

Sicherheitsklassen S1 bis S7 im Überblick

Die Klassen sind keine einfache Rangliste von „wenig“ bis „viel“ Schutz. Sie kombinieren bestimmte Eigenschaften und unterscheiden außerdem zwischen klassisch aufgebauten Schuhen der Klassifizierung I und vollständig geformten oder vulkanisierten Schuhen der Klassifizierung II.

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Kategorie Klassifizierung Wesentliche Kombination
S1 I geschlossener Fersenbereich, antistatisch, Energieaufnahme im Fersenbereich
S2 I wie S1, zusätzlich Wasserdurchtritt/-aufnahme des Obermaterials
S3 / S3L / S3S I wie S2, zusätzlich Durchtrittschutz und Profilsohle; P/PL/PS je nach Einlage
S4 II vollständig geformt/vulkanisiert, antistatisch, Energieaufnahme im Fersenbereich, dicht
S5 / S5L / S5S II wie S4, zusätzlich Durchtrittschutz und Profilsohle; P/PL/PS je nach Einlage
S6 I wie S2, zusätzlich Wasserdichtheit des gesamten Schuhs
S7 / S7L / S7S I wie S6, zusätzlich Durchtrittschutz und Profilsohle; P/PL/PS je nach Einlage

Warum S5 in der Landwirtschaft weiterhin wichtig ist

S5 gehört zur Klassifizierung II und ist damit besonders relevant für vollständig geformte oder vulkanisierte Sicherheitsstiefel. Gegenüber S4 kommt ein Widerstand gegen Durchstich sowie eine profilierte Laufsohle hinzu. Das macht S5 für viele nasse Stall-, Hof- und Außenarbeiten interessant, bei denen zugleich mit spitzen Gegenständen gerechnet werden muss.

Wichtig: Aus der Norm allein folgt nicht, dass S5 bei jeder landwirtschaftlichen Tätigkeit vorgeschrieben ist. Die erforderliche Ausführung ergibt sich aus der tätigkeitsbezogenen Gefährdungsbeurteilung und gegebenenfalls weiteren betrieblichen oder berufsgenossenschaftlichen Vorgaben.

 

Vergleich von S5-, S6- und S7-Sicherheitsstiefeln für Landwirtschaft, Stall und Hof mit unterschiedlichen Schutzfunktionen

Die passende Sicherheitsklasse richtet sich nach Einsatz und Gefährdung: Normkennzeichnung, Schutzfunktionen und Tragekomfort sollten bei der Auswahl gemeinsam berücksichtigt werden

Was ist neu bei S6 und S7?

S6 und S7 wurden mit der Normausgabe 2022 in die Kategorienübersicht aufgenommen. Beide gehören zur Klassifizierung I, also zu klassisch aufgebautem Schuhwerk. S6 kombiniert die Eigenschaften von S2 mit Wasserdichtheit des gesamten Schuhs. S7 ergänzt diese Ausstattung um Durchtrittschutz und eine profilierte Laufsohle.

Bei S7 zeigen die Zusätze L oder S an, welche nichtmetallische Durchtrittschutzeinlage verwendet wird. Ohne Zusatz steht S7 für eine metallische Einlage des Typs P. Für vollständig geformte Stiefel bleibt die entsprechende Systematik S4 beziehungsweise S5, ergänzt um S5L und S5S bei nichtmetallischen Einlagen.

 

P, PL, PS, SR, CI und FO richtig lesen

Neben der Kategorie liefern Zusatzkennzeichnungen wichtige Informationen. P steht für eine metallische Durchtrittschutzeinlage. PL und PS kennzeichnen nichtmetallische Einlagen mit unterschiedlichen Prüfbedingungen; PS wird mit einem kleineren Prüfnagel geprüft. SR bezeichnet nach der neuen Norm eine zusätzliche Rutschhemmungsprüfung. CI steht für Kälteisolierung des Sohlenkomplexes. FO kennzeichnet Kraftstoffbeständigkeit der Laufsohle.

Die frühere Kennzeichnung SRC stammt aus der älteren Normsystematik. Bei neu nach EN ISO 20345:2022 geprüften Modellen ist SR die relevante Zusatzkennzeichnung für die zusätzliche Rutschhemmungsprüfung. Ein älteres, ordnungsgemäß zertifiziertes Produkt wird dadurch nicht automatisch unbrauchbar; für die Produktbeschreibung muss aber klar sein, nach welcher Normausgabe es geprüft wurde.

 

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Zeichen Bedeutung Praxisbezug
P Metallische Einlage gegen Durchstich z. B. S5 oder S7 ohne L/S-Zusatz
PL Nichtmetallische Einlage, Prüfung mit 4,5-mm-Prüfnagel z. B. S5L oder S7L
PS Nichtmetallische Einlage, anspruchsvollere Prüfung mit 3-mm-Prüfnagel z. B. S5S oder S7S
SR Zusätzliche Rutschhemmungsprüfung nach neuer Norm relevant bei glatten/nassen Böden
CI Kälteisolierung des Sohlenkomplexes Winter, kalte Böden, längere Standzeiten
FO Kraftstoffbeständigkeit der Laufsohle bei entsprechendem Kontakt prüfen

Welche Eigenschaften sind in der Landwirtschaft besonders relevant?

Im Stall und auf dem Hof treffen oft mehrere Anforderungen zusammen. Zehenschutz kann bei Quetsch- und Stoßgefahren wichtig sein. Durchtrittschutz ist relevant, wenn Nägel, Draht oder andere spitze Gegenstände auftreten können. Profil und Rutschhemmung unterstützen auf verschmutzten oder nassen Laufwegen. Bei dauerhafter Nässe ist die Wasserdichtheit des gesamten Schuhs wichtiger als nur ein begrenzter Widerstand des Obermaterials gegen Wasserdurchtritt.

Im Winter kann zusätzlich CI beziehungsweise eine ausgewiesene Kälteisolierung sinnvoll sein. Bei Kontakt mit Kraftstoffen ist FO zu beachten. Für Arbeiten mit der Motorsäge gelten eigene Anforderungen an Schnittschutzschuhe; ein normaler S5-Stiefel ersetzt keinen geprüften Kettensägenschnittschutz.

 

Sicherheitsstiefel bei Siepmann auswählen

Im aktuellen Siepmann-Sortiment finden sich mehrere S5-Sicherheitsstiefel für Stall, Hof und Außenbereiche. Bei der Auswahl sollten Sicherheitsklasse, Normausgabe und Zusatzkennzeichnungen gemeinsam mit Material, Passform, Profil und Temperaturbereich betrachtet werden.

Dunlop Purofort Thermo+ S5
Aktuell nach EN ISO 20345:2022 + A1:2024 S5 SR CI CR AN FO ausgewiesen. Stahlkappe, Stahlzwischensohle, rutschhemmende Profilsohle und Isolierung bis -50 °C machen das Modell besonders für kalte und nasse Stall- und Hofbereiche interessant.

Bekina StepliteX S5
Ganzjahres-Sicherheitsstiefel mit S5-Kennzeichnung, Stahlkappe und Stahlsohle.

 

Die zuvor genannten Modelle wollen wir im folgenden näher vergleichen:

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Kriterien Nora Sicherheits-Stiefel S5 Bekina Sicherheits-Stiefel S5 Dunlop Sicherheits-Stiefel Purofort
Material Nitrilkautschuk Polyurethan Purofort
Sohle Selbstreinigendes Profil, schmutzabweisende Kanten, besonders rutschhemmend Selbstreinigendes Profil, rutschfeste Laufsohle Schmutzabweisende SRC-Sohle, rutschhemmend
Beständig gegen Kraftstoff, Öl, Gülle Öle, Gülle, leichte Chemikalien Bedingt öl-, benzin-, kraftstoff- und säurebeständig
Futter Polyester, antibakteriell 100 % Baumwolle Gewebe, antibakteriell
Fußbett Fußdunst absorbierend PU-Schaumstoff, antibakteriell Komfortable Ortholite-Einlegesohle
Kälteschutz Optimaler Kälteschutz Bis -30 °C Isolierung bis -20 °C
Fazit Preiswertes Leichtgewicht für mittlere Ansprüche. Unser Topseller. Sehr bequem, leicht und komfortabel. Gute Isolation – kühl im Sommer, warm im Winter. Unser Tipp! Komfortable Sneaker-Passform mit sehr guter Isolation – kühl im Sommer und warm im Winter.

Sicherheitsstiefel für die Landwirtschaft - hier die Meistverkauftesten

Passform und Tragekomfort nicht unterschätzen

Ein Sicherheitsstiefel kann seine Aufgabe nur erfüllen, wenn er passend ausgewählt und korrekt getragen wird. Zu große Stiefel vermindern den Halt, zu enge Modelle können bei langen Arbeitstagen Druckstellen verursachen. Dicke Arbeitssocken und Einlegesohlen verändern die Passform und sollten bei der Größenwahl berücksichtigt werden.

Für lange Tragezeiten sind Gewicht, Fersenhalt, Dämpfung, Schaftform und Temperaturverhalten besonders wichtig. Bei unebenen Flächen kann außerdem ein höherer Schaft beziehungsweise zusätzlicher Knöchelschutz sinnvoll sein - auch das ergibt sich aus der konkreten Tätigkeit.

 

Reinigung, Kontrolle und Austausch

Schlamm, Mist und andere Verschmutzungen sollten regelmäßig entfernt werden, damit Profil und Material kontrollierbar bleiben. Prüfen Sie insbesondere Laufsohle, Profil, Schaft, Übergänge und sichtbare Beschädigungen. Ein beschädigter Sicherheitsschuh kann seine geprüfte Schutzwirkung verlieren.

Auch stark abgelaufenes Profil ist ein Warnsignal. Sicherheitsstiefel sollten trocken und entsprechend den Herstellerangaben gelagert werden. Bei sichtbaren Rissen, Ablösungen oder Beschädigungen im Bereich der Schutzkomponenten ist ein Austausch zu prüfen.

 

Typische Fehler bei der Stiefelauswahl

Eine hohe Schutzklasse allein macht einen Stiefel noch nicht zur richtigen Wahl. Häufig entstehen Fehlentscheidungen, wenn Normkennzeichnung, tatsächliche Tätigkeit und Tragebedingungen nicht gemeinsam betrachtet werden.

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Fehler Warum problematisch? Besser
„In der Landwirtschaft ist immer S5 vorgeschrieben.“ Zu pauschal: Die Auswahl muss tätigkeitsbezogen erfolgen. Gefährdungsbeurteilung und erforderliche Zusatzfunktionen prüfen.
Nur auf die Zahl der Klasse achten S5 und S7 gehören unterschiedlichen Bauarten an. Klassifizierung, Schutzfunktionen und Zusatzzeichen gemeinsam lesen.
SRC und SR gleichsetzen SRC gehört zur alten, SR zur neuen Normsystematik. Normausgabe des konkreten Produkts beachten
S5 automatisch als chemikalienbeständig ansehen S5 allein sagt keine umfassende Chemikalienbeständigkeit aus. Herstellerangaben und ggf. spezielle Chemikalienschutznorm prüfen.
Sicherheitsstiefel als Motorsägenschutz nutzen S5 ersetzt keinen geprüften Kettensägenschnittschutz. Für Motorsägenarbeiten dafür vorgesehenen Schnittschutz wählen.

Fachhandel-Tipp

Schauen Sie beim Vergleich nicht nur auf „S5“ oder „S7“. Lesen Sie die vollständige Kennzeichnung. Ein Zusatz wie SR, CI oder FO kann für den konkreten Einsatz entscheidender sein als der Klassenname allein. Prüfen Sie außerdem, ob die Produktseite die Normausgabe nennt - besonders dann, wenn ältere und neue Kennzeichnungen im Markt parallel vorkommen.

Auswahlhilfe: vom Einsatz zum passenden Stiefel

Für nasse Stall- und Hofarbeiten mit mechanischen Gefährdungen ist ein S5-Sicherheitsstiefel häufig eine robuste Lösung. Wer klassisch aufgebautes Schuhwerk benötigt, findet mit S6 eine wasserdichte und mit S7 eine zusätzlich durchtrittgeschützte, profilierte Kategorie. Entscheidend bleibt jedoch die konkrete Gefährdungsbeurteilung.

Vergleichen Sie deshalb zuerst Tätigkeit und Gefährdungen, anschließend die vollständige Normkennzeichnung und erst danach Komfortmerkmale wie Gewicht, Isolierung und Passform. So wird aus der Sicherheitsklasse eine belastbare Auswahlentscheidung.

 

Die wichtigsten Fragen zu Schutzklassen, Normen und Auswahl kurz beantwortet

Häufige Fragen zu Sicherheitsstiefeln in der Landwirtschaft

Ja. S5 ist auch in EN ISO 20345:2022 enthalten und beschreibt vollständig geformte oder vulkanisierte Sicherheitsschuhe mit Durchtrittschutz und profilierter Laufsohle.
S5 gehört zur Klassifizierung II für vollständig geformtes oder vulkanisiertes Schuhwerk. S7 gehört zur Klassifizierung I und kombiniert die Eigenschaften von S6 mit Durchtrittschutz und Profilsohle.
Die Zusätze kennzeichnen nichtmetallische Durchtrittschutzeinlagen. PL wird mit einem 4,5-mm-Prüfnagel geprüft, PS mit einem 3-mm-Prüfnagel und eigenen Grenzwerten.
SRC ist eine Kennzeichnung der älteren Normsystematik. Bei nach EN ISO 20345:2022 geprüften Schuhen ist SR die Zusatzkennzeichnung für die zusätzliche Rutschhemmungsprüfung.
Nicht jede Tätigkeit hat dieselben Gefährdungen. Im Betrieb ergibt sich der erforderliche Fußschutz aus der tätigkeitsbezogenen Gefährdungsbeurteilung und gegebenenfalls weiteren Vorgaben.
CI kennzeichnet die Kälteisolierung des Sohlenkomplexes und kann bei winterlichen Stall-, Hof- und Außenarbeiten relevant sein.
Nein. Für Arbeiten mit Kettensägen gelten spezielle Anforderungen an Sicherheitsschuhe mit Schutzwirkung gegen Kettensägenschnitte.
Bei deutlichen Rissen, Ablösungen, beschädigten Schutzkomponenten oder stark verschlissenem Profil sollte der Stiefel nicht einfach weiterverwendet, sondern nach Hersteller- und Betriebsangaben beurteilt und gegebenenfalls ersetzt werden.